Donnerstag, 22 Januar 2015 00:00

Akzeptanz der Gartendenkmalpflege

geschrieben von
  • Schriftgröße Schriftgröße verkleinern Schrift vergrößern
  • Drucken
  • eMail
Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Akzeptanz der Gartendenkmalpflege Michael Kramer

In den Denkmalbehörden der Länder ist eine zunehmende Erosion der Gartendenkmalpflege festzustellen. Immer mehr Fragen zum Erhalt und zur Entwicklung historischer Grün- und Parkanlagen verlagern sich von der Seite der öffentlichen Hand hin zu freiberuflichen Landschaftsarchitekten. Vor diesem Hintergrund hat sich im Juli 2014 der Arbeitskreis Gartendenkmalpflege im bdla konstituiert. Das Thema ist auch Schwerpunkt der Ausgabe 4/2014 der bdla-Verbandszeitschrift "Landschaftsarchitekten". Dort erschien der nachfolgende Beitrag zur Agenda des Arbeitskreises. Weitere Artikel der Ausgabe finden Sie hier.

Für Akzeptanz der Gartendenkmalpflege und eine auskömmliche Honorierung

Von Stefan Pulkenat

Landschaftsarchitekten haben heute viel mehr mit dem Thema Gartendenkmalpflege zu tun als noch vor 20 Jahren. Mit zunehmender Anzahl von denkmalgeschützten Parks und Gärten, Stadtplätzen, Denkmalen des Städtebaus, großräumigem Ensembleschutz und der Ausweisung von historischen Kulturlandschaften entsteht mehr und mehr ein wichtiges Aufgabenfeld für Landschaftsarchitekten.

Die Unterschutzstellung und Ausweisung als Gartendenkmal beschränkt sich schon lange nicht mehr auf die repräsentativen, ehemals landesherrlichen Garten- und Parkanlagen. Dazu gekommen sind Friedhöfe, Klosteranlagen, Villengärten, Straßen, Plätze, Volksparks, Gutsanlagen, ganze Kulturlandschaften usw.

Der größte Teil der Denkmalanlagen ist in privatem oder kommunalem Besitz. Selten ist dort eine fachgerechte Pflege gesichert. Vor allem bei Kommunen werden seit den letzten 15 Jahren gärtnerische Pflegekräfte eingespart, Gartenverwaltungen und Grünflächenämter aufgelöst. Viele der dadurch fehlenden Leistungen müssen von Landschaftsarchitekten außerhalb von Verwaltungsstrukturen erbracht werden. Anlagen im Besitz von Staatlichen Garten- und Schlösserverwaltungen werden in der Regel durch angestellte Landschaftsarchitekten oder Gartenverwaltungen verwaltet und betreut. Auch hier gibt es einen Trend zum Personalabbau.

Statt kontinuierlicher Pflege zeigen immer mehr denkmalgeschützte Freianlagen einen Pflegenotstand. Wenn der Zustand zu schlecht wird, sollen die fehlenden Pflegejahre durch eine Grundinstandsetzung ersetzt werden. Hierfür bedarf es guter Fachplanungen durch spezialisierte Landschaftsarchitekten.

Notwendig ist eine Verbesserung und Regelung von gartendenkmalpflegerischen Planungsleistungen. Die von Kollegen aktuell bundesweit verwendeten Bezeichnungen, alphabetisch geordnet, reichen von: Denkmalpflegerische Zielstellung, Denkmalpflegerische Rahmenzielstellung, Instandsetzungsplanung, Parkkonzept, Parkpflegewerk, Pflege- und Entwicklungsplan, Pflegekonzept und Rahmenplanung bis Rahmenzielstellung und so weiter. Hier spiegelt sich die föderale Struktur auf dem Gebiet der Kultur wider. In den Denkmalpflegegesetzen der einzelnen Bundesländer gibt es Vielfalt. Klar geregelte Bezeichnungen und Anforderungen an Untersuchungen und Planungen zu Bau- und Gartendenkmalen gibt es kaum. Vorbildliche Regelungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mit der Forderung der Erstellung einer "Denkmalpflegerischen Zielstellung" und in Sachsen-Anhalt mit einer "Rahmenzielstellung".

Der bdla-Arbeitskreis Gartendenkmalpflege will die Planungskultur und den fachlichen Umgang mit denkmalgeschützten Freianlagen verbessern. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Historische Gärten der Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur und Gartenkunst geplant. Es geht um die Akzeptanz der Gartendenkmalpflege und solche Themen wie:

– fehlende oder unzureichende Pflege von Gartendenkmalen und anderen "historischen" Anlagen,
– Sichtachsen kontra Baum- und Artenschutz,
– Überformung, Übernutzung von Gartendenkmalen,
– fehlende fachliche Nachbesetzung in Ämtern,
– Ausweisung, Zuordnung und Behandlung von wertvollen Freiräumen als Grün-, Gartendenkmal, auch wenn es ein Platz ohne Grün ist,
– Verfahren nach VOF für gartendenkmalpflegerische Planungsleistungen,
– gartendenkmalpflegerische Planungsmethodik, Inhalte und einheitliche Standards,
– Qualitätssicherung für gartendenkmalpflegerische Planungsleistungen,
– Vergütung gartendenkmalpflegerischer Planungsleistungen,
– usw.

Wichtigstes Ziel des bdla-Arbeitskreises Gartendenkmalpflege ist zunächst, einen Leistungskatalog für die Erarbeitung von Parkkonzepten mit denkmalpflegerischer Zielstellung zu erstellen – von der Grundlagenermittlung über die Aufarbeitung der Historie einer Parkanlage bis hin zur Bewertung und Entwicklung einer denkmalpflegerischen Zielstellung. Auf Grundlage dessen wird zu erörtern sein, wie Honorarempfehlungen entwickelt und implementiert werden können.

Innerhalb des bdla soll das Thema Gartendenkmalpflege wieder breiter diskutiert und in die Öffentlichkeitsarbeit des Berufsverbandes verstärkt mit aufgenommen werden. Dazu bezieht der Arbeitskreis zu aktuellen Fragen der Gartendenkmalpflege Stellung, u. a. auch zu der misslichen Entwicklung, dass der Staat seiner kulturellen Verantwortung immer weniger gerecht wird, indem frei werdende Stellen in den Denkmalbehörden vieler Länder nicht wiederbesetzt werden.

Uns muss bewusst sein, dass wir um die Erhaltung der denkmalgeschützten Zeugnisse der Gartenkunst mehr kämpfen müssen. Dies ist verbunden mit der Hoffnung, dass spätere Generationen das gartenkulturelle Erbe sowie die von uns heute gestalteten Anlagen ebenso pflegen, schützen und erhalten.


Quelle: bdla

Gelesen 1021 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Januar 2015 15:30

Über L-UMP.net

L-UMP.net wurde zunächst von zwei Studenten als Portal für den Austausch von Studienunterlagen konzipiert und dann später als Online-Magazin für Interessierte und das Fachpublikum weiter entwickelt.

Soziale Netzwerke