Du möchtest Landschaftsarchitektur studieren?

 

Berufsziel

Das Landschaftsarchitektur-Studium soll sie befähigen, an der Gestaltung unserer Umwelt mitzuwirken – vom privaten Grün über städtische Freiräume mit Parks und Sportanlagen bis in die Landschaft hinein. Somit werden die Arbeitsfelder der Freiraumplanung und Landschaftsgestaltung im Zusammenhang gelehrt. ,Die im Landschaftsbau vermittelten Kenntnisse sind ein unverzichtbarer Prüfstein für die Machbarkeit und professionelle Umsetzung Ihrer Entwurfsideen in der Praxis.

  • Mitarbeit in einem Ingenieur- oder Planungsbüro für Landschaftsarchitektur (Freiraum-, Landschafts- und Umweltplanung)
  • Sachbearbeiter in kommunalen Ämtern (Gartenamt, Umweltamt, Bauamt, Straßenbauamt …) und staatlichen Behörden und Ämtern für Naturschutz und Landschaftspflege, Landschaftsplanung, Umwelt, Autobahnamt, …
  • Sachbearbeiter oder Leiter in Verbänden und Vereinen in den Bereichen Naturschutz und Landschaftspflege, Umweltschutz, Tourismus …
  • Mitarbeit oder Leitungsfunktion in Betrieben des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus
  • Mitarbeit oder Leitungsfunktion in Unternehmen oder Abteilungen der Grünflächenpflege einschließlich Gartendenkmalpflege
  • Sachbearbeiter in Hochschulen, Versuchsanstalten und Instituten innerhalb des Berufsfeldes
  • Mitarbeiter bei Fachverlagen

 

Studiengänge

  • Bachelor
  • Master
  • Diplom

 

Studienstandorte

Top Hochschule Bundesland Abschluss
  Beuth-Hochschule Berlin Berlin Bachelor
  Technische Universität Berlin Berlin Master
  Technische Universität Dresden Sachsen Diplom
  Fachhochschule Erfurt Thüringen Master
  Hochschule Neubrandenburg Mecklenburg-Vorpommern Bachelor
  Hochschule Geisenheim Hessen Bachelor
  Universität Hannover Niedersachsen Master
  Technische Universität München Bayern Master
  Hochschule Nürtingen Baden-Württemberg Bachelor
  Hochschule Ostwestfalen-Lippe Nordrhein-Westfalen Bachelor
  Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf Bayern Bachelor
  Brandenburgische Technische Universität Brandenburg Bachelor

 

Unterschied FH und Uni?

Seit dem Bologna-Prozess (1999) wurde alle bisherigen Diplom-Studiengänge in Bachelor- und Master-Studiengänge aufgeteilt.
Das Bachelor-Studium vermittelt die Grundlagen der Landschaftsarchitektur und mit Abschluss wird eine Bachelor-Arbeit bzw. -Thesis geschrieben. Im Anschluss kann man bei Bedarf in die Praxis gehen (Planungsbüros, Behörden, ...) und danach den Master wenn gewünscht absolvieren; oder gleich nach dem Bachelor.
Die Studiendauer für Bachelor-Studiengänge beträgt 6 bis 7 Semester. Bei Master sind es maximal 4 Semester.

Unterschied zwischen Hochschultypen

  • Hochschule, Fachhochschule: Vermittlung von meist praktischen Studieninhalte, Praxissemester, sowie Forschungsprojekte (wenn forschungsstark)
  • Universität: Lehre meist von theoretischen Studieninhalte, Praxissemester und Forschungsprojekte

Ob man nun heute an einer Fachhochschule oder Universität studiert hängt von der eigenen Orientierung ab. Seit dem Bologna-Prozess sind alle Abschlüsse der beiden Hochschultypen (FH u. Uni) laut Hochschulkonferenz als gleichwertig eingestuft.

Vor dem Bologna-Prozess (vor 1999):

  • 1. Akademischer Grad: Diplom-Ingenieur (FH) / Dipl. Ing. (FH)
  • 2. Akademischer Grad: Diplom-Ingenieur (Uni) / Dipl.Ing.
  • 3. Akademischer Grad: Doktor der Ingenieurwissenschaften / Dr.-Ing.

Nach dem Bologna-Prozess (ab 1999):

  • 1. Akademischer Grad: Bachelor of Science / Bachelor of Engineering ... (FH, Uni beide gleich)
  • 2. Akademischer Grad: Master of Science / Master of Engineering ... (FH, Uni beide gleich)
  • 3. Akademischer Grad: Doktor der Ingenieurwissenschaften / Dr.-Ing.

Studieninhalte (Beispiele)

  • Landschaftsplanung, Landschaftspflege, Natur- und Umweltschutz einschließlich der erforderlichen naturwissenschaftlichen Grundlagen
  • Freiraumplanung von der städtebaulichen Ebene bis zum kleinräumigen öffentlichen Freiraum oder zum Hausgarten einschließlich der historischen Grundlagen und den Maßnahmen der Park- und Gartendenkmalpflege
  • Die Ausführung der geplanten Bau- und Pflegemaßnahmen, d.h. Ausführungsplanung, Bauabwicklung einschließlich der notwendigen baubetrieblichen, rechtlichen, ökonomischen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

Abschlussbezeichnungen:

  • Bachelor of Science (B. Sc. oder BSc)
  • Bachelor of Engineering (B. Eng. oder BEng)
  • Master of Science (M.Sc. oder MSc)
  • Master of Engineering (M.Eng. oder MEng)
  • Diplom-Ingenieur (FH)
  • Diplom-Ingenieur (Uni)

 

Quellen: eigene, FH Erfurt, studieren-im-netz, HRK

Farbig, impulsiv und hochexperimentell: Great Dixter, der berühmte alte Arts-and-Crafts-Garten in Northiam, südlich von London, hat sich zu einer Keimzelle des Avantgarde-Gärtnerns entwickelt. Sein Motor ist Headgardener Fergus Garrett, der mitreißende Schüler von Christopher Lloyd, dem 2006 gestorbenen legendären Begründer des grünen Meisterwerks.

Kein Besucher im Garten. Keine Strohhüte, unter denen Kameras klicken. Keine Bewunderer, Verehrer, Anhimmler. Nur Frieden. Zwischen fünf Uhr nachmittags und elf Uhr morgens gehört Great Dixter, das mächtige, schon schiefe Gemäuer, die Scheunen, Bäume, Hecken, Blumenbeete denen, die dort arbeiten: Fergus Garrett, dem charismatischen Headgardener, Aaron Bertelsen, dem Master of the House und Chef des ausgedehnten Küchengartens, sechs Gärtnern und einer Handvoll Studenten aus aller Welt. Eine Gemeinschaft, die zwar nicht klösterlich lebt, dafür eingebettet in die Arts-and-Crafts-Welt, in die Riegel der Zimmertüren aus Holz gefertigt sind; Betten einen Himmel haben; Eiben zu Vögeln geschnitten und der Garten von meterhohen Hecken eingeteilt ist, die aussehen, als ob sie langsam schmelzen.

Mehr als fünfzig Jahre war dieser Ort die Bilderbuchbühne für Christopher Lloyd, abgekürzt Christo, der gemeinsam und fast altersgleich mit Rosemary Verey und Beth Chatto unser Bild des blütenstrotzenden englischen Gartens für mindestens zwei Generationen geprägt hat. Christos Eltern, beide aus wohlhabenden Familien stammend, hatten das landwirtschaftliche Anwesen 1910 gekauft. Vater Nathaniel puzzelte das Haus mit dem prominenten Arts-and-Crafts-Architekten Edwin Lutyens aus zwei mittelalterlichen und einem neuen Teil zu einem Exempel britischen Wohnens zusammen. Mutter Daisy organisierte den Garten. Christo, der jüngste von sechs Geschwistern, zog in den Krieg, machte eine Ausbildung zum Gartengestalter (decorative horticulture), lehrte zwei Jahre, kehrte 1954 nach Great Dixter zurück und blieb.

Er gründete eine Gärtnerei, lockte Besucher herbei und begann, eine Karriere als hortikultureller Bilderstürmer aufzubauen. Seine Plattformen waren Great Dixter und das „Country Life Magazine“, für das er über vierzig Jahre wöchentlich eine Kolumne schrieb, und die er nutzte, um Angriffe auf gärtnerische Allgemeinplätze zu führen, um Rosen zu stacheligen Stecken zu erklären oder englischen Gartenladys die Pastellfarben madig zu machen. „Christo“, so Aaron Bertelsen, „was a wordly man“ – ein öffentlicher Mensch. „Der Garten war sein Mittel dazu.“ Viele, die es nie nach Northiam schafften, kennen ihn als Autor; von ihm stammen phantastische Bücher wie „Dear Friend and Gardener“, der Briefwechsel mit Beth Chatto (A&W 2/2013 ) und sein „The Gardener Cook“, in dem er als weitere Seite von Great Dixter die umfangreichen Küchengärten vorstellte, aus denen heraus er kochte und seine Gäste bewirtete. „Sein Haushalt glich einer fortwährenden Party“, verriet eine Freundin im „Guardian“.

Als dieser große Christo 2006 starb, befürchteten viele, dass Great Dixter vergehen, hilflos verwildern, als geschäftsmäßig geführtes Touristenziel, schlimmer noch als gelecktes Fünf-Sterne-Hotel erstarren würde. Das Gegenteil geschah. Great Dixter verwandelte sich in eine lebendige Gartenschule, mehr noch: in ein Laboratorium des Gärtnerns, widerständig wie zu Christos Lebzeiten.

Was auf den ersten Blick kaum ersichtlich ist. Schwer, sich in den Heckenkabinetten zu orientieren. Hier die Long Border, bereits im 19. Jahrhundert das Paradestück großer Gärten, dem Centerpiece auf der gedeckten Tafel vergleichbar; dort ein drei Treppenstufen abwärts gelegter Senkgarten, wie man ihn am Anfang des 20. liebte; da die Wiese mit in Form geschnittenen Buchsbäumen, schon zu Zeiten von Christos Eltern ein romantisierendes Detail – und überall diese übergewichtigen Hecken. Es gibt die typische, halbrunde Jekyll-Lutyens-Terrasse, den Pfauen- und den exotischen Garten mit Bananenstauden, die im April noch baumhoch in Stroh und Farnlaub gepackt sind, eine seltsame Inszenierung.

„Das Erste, was mich faszinierte als ich herkam, waren die Farbigkeit und Impulsivität“, sagt Michael Wachter, 25 Jahre alt, Student der Landschaftsarchitektur aus Deutschland. Zwei Monate wollte er bleiben, sein Englisch polieren und Gartenwissen erweitern. Er hat auf zwei Jahre verlängert und will in Zukunft Designer statt Gärtner sein. Was er hier erlebt, ist der krasse Gegensatz zu der in Deutschland postulierten Pflegeleichtigkeit: „Hier in England sagt man, low maintenance is low braintenance.“ Was so etwa heißt: Wenig Handanlegen ist wenig Hirn einsetzen. Michael Wachter ist einer der wenigen Deutschen, die nach Great Dixter kommen.

Die meisten Studenten stammen aus Frankreich, Japan, den USA. Sie sind das Kapital von Fergus Garrett. „Die Menschen finden zu uns“, sagt er. Neben jungen Menschen aus aller Welt ist das auch ein obdachloser Jugendlicher aus der Gegend. „Wir sagen, du kannst zwei Wochen bleiben, dann werden wir sehen.“ Ihm ist wichtig, dass nach Great Dixter nicht nur die kommen, die es sich leisten können. „Menschenfischer“ nennt ihn Michel Wachter.

„That is good work, exciting“. Jeden Morgen um 8 Uhr gibt der Menschenfischer seinen Studenten Instruktionen. Die Pflanzkiste unterm Arm, eilt er mit riesigen Schritten durch den Garten. Die Aufgabe ist, einjährigen Mohn in eine Staudenpflanzung zu setzen. „Ich will, dass es natürlich wirkt. Nicht symmetrisch. Okay! Hier, so soll es aussehen.“ Auf dem Boden knieend markiert er Pflanzplätze in die krümelige Erde. „Und seid vorsichtig mit den Setzlingen. Take them delicately. Die Wurzeln mögen es nicht, wenn man an ihnen rumfingert. Und nicht zu hoch einpflanzen. Wie heißt der Mohn?“ Schweigen. „‘Laurens Grape’. Merkt euch den Namen. Notiert das Aussaatdatum und beobachtet, wie die Sämlinge sich entwickeln. Wenn es nicht gut wird, probieren wir nächstes Jahr einen anderen Aussaattermin aus.“ Alles ist im Fluss. Nichts wird wie immer gemacht: „We don’t repeat planting, we want to learn.“

Später, nach der Kaffeepause um zehn Uhr, ist Besprechung in der Scheune. Fergus Garrett steht an der Tafel und zeichnet Strategiepläne, zuerst eine Liste von allem, was ansteht: Töpfe wässern, Sämlinge kontrollieren, Tulpen pflücken, Hecken schneiden und darunter aufräumen, Erde für die Gärtnerei vorbereiten, jäten, selbst ausgesäte Pflanzen ausdünnen. Dann markiert er Vorrangiges: „Wir müssen auspflanzen; wir brauchen Platz in den Frühbeeten; Hecken sind noch zweitrangig.“ Später rennt er wieder durch den Garten, nachsehen, was die Studenten getan haben, eilig, fröhlich, anfeuernd: „Wenn ich allein arbeitete, bräuchte ich für dies oder das einen Tag, so sind es vier. Aber das ist der Weg.“ Mittags sitzt er wieder in der Scheune, löffelt eine Suppe. Eine Studentin hat sie mitgebracht. „Delicious“, sagt er und hamstert Nachschlag ein. „Ich wollte immer eine Landkommune gründen. Wo ich in meinem Leben auch war, am meisten habe ich gelernt, wenn wie in der Familie zusammengearbeitet wird.“

Seit 23 Jahren arbeitet Fergus Garrett in Great Dixter. 15 Jahre zusammen mit Christopher Lloyd. Immer war der Garten in Bewegung, ob es um die mit Blütenpflanzen besetzten Wiesen ging – Jahre bevor das Präriegärtnern Mode wurde – oder um die Long Border, in die Christo eines Tages begann, Zwergkoniferen zu setzen. Egal wie verpönt diese Gewächse noch immer sind. Fergus Garrett setzt die „Conifer experience“ fort. Er experimentiert mit Unmengen von Tulpen, mit den von Christo gehassten Kornblumen, mit Vorschlägen der Studenten. Was dieser begonnen hatte, setzen seine Erben fort, intensiver denn je. Gärtnern ist zu einer Reformbewegung geworden und Great Dixter eine Drehscheibe, in die Informationen hinein- und hinausgetragen werden. Aus Melbourne ist der junge Landschaftsdesigner Thomas Gooch da und arbeitet bei Aaron Bertelsen im Küchengarten mit. Thomas gehört zu denjenigen, die „3000 acres. Connecting people to the land“ organisiert haben, ein Projekt  das leer stehende Grundstücke in der Metropole erfasst und versucht, ihrer habhaft zu werden, um dort Nahrung anzubauen.Und während Fergus Garrett Richterdienste auf der Londoner Chelsea Flower Show ausübt, bereitet Aaron nebenbei „Talks“ vor, die er in Detroit und Memphis übers Gemüsegärtnern in Great Dixter halten wird; wie er zum Beispiel das Unkraut unter den Himbeeren mit Vergissmeinnicht fernhält.

 

 Quelle:
Architektur & Wohnen, Ausgabe 04/2015
Autor: Elke von Radziewsky
Fotograf: Regina Recht

Beobachten, hegen, Geschichte bewahren: Vor dreißig Jahren hat Helga Schütz in Potsdam ein Landhaus mit einem Garten aus den 1920er-Jahren übernommen – klassisch in seiner klaren Trennung zwischen naturnahem bewaldeten Teil und einem Steingarten direkt neben der Terrasse am Haus. Für die Schriftstellerin und Drehbuchautorin ist die denkmalgeschützte Anlage ein „Partner, der sich von Anfang an behauptete“.

Dass man sich nicht mehr bücken braucht, das passiert wohl nur in Stadtgärten“, sagt Helga Schütz. Womit sie nicht sagen will, dass sie unablässig arbeitet, zupft und schneidet, sobald sie draußen ist. Trotzdem: „Bekannte stellen sich immer nur vor, wie ich im Garten auf der Bank sitze, wie ich lese, hier und da gucke.“

1984 war ihr von der Stadt Potsdam das Landhaus des 1965 gestorbenen Physikochemikers Max Volmer angeboten worden. Zu der Zeit war die gelernte Gärtnerin, die, nach einem Jahr im Beruf, Dramaturgie an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg studierte, bereits seit 20 Jahren eine erfolgreiche, mit etlichen Literaturpreisen ausgezeichnete Drehbuchautorin. „Mit einem Wahnsinnsmut griff ich zu.“ Fünf Jahre hatte sie in „Berliner Beton, achter Stock“ gelebt, nun wollte sie wieder ins Grüne. Viele ihrer Bekannten hatten schon Datschen im Umkreis, sie suchte Ähnliches. Doch dann bot sich dieser Landhausgarten an, der sie lockte, obwohl sie „am ersten Tag in ihm nicht gejubelt hat“. Statt Liebe auf den ersten Blick stellte sich Respekt ein: „Von Anbeginn an war der Garten ein Partner, der sich behauptete.“ Ändern, umgraben, dem Ganzen einen eigenen Stempel aufdrücken? „Ich hätte nicht gewusst, wo ich eingreifen soll.“

Geschätzte zwei-, dreimal so hoch wie das Haus mit den karmesinroten Fensterflügeln ragen in ihrem Garten Kiefern, Eichen, Buchen, Birken empor. Er ist ein idealisiertes, hallenartig lichtes Stück Wald. Früher einmal ging er direkt in den Diana-Forst über. Doch dort wurde nach der Wende gebaut, und so ist er heute ein Relikt aus der Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts, als eine der herrschenden Gartentheorien Natürlichkeit forderte und das Pütschern, Blumen pflanzen, Steine aufsetzen in das Areal dicht am Haus beorderte. Hier der Mensch, dort die Natur. Klare Trennung.

Karl Foerster, der berühmte deutsche Staudenzüchter aus Potsdam-Bornim, soll den Garten mit Max Volmer entworfen haben. Beweise gibt es nicht. Nur Hinweise, wie den Steingarten neben der Terrasse am Haus, typisch für jene Jahre; man sieht Vergleichbares im foersterschen Garten in Bornim. „Immer wieder fragen Leute, ob es noch diese Alpenrose gebe, die sie von früher kennen, ob noch der Eisenhut blühe“, erzählt Helga Schütz. Lange habe es gedauert, bis sie sich mit dem Garten vertraut gemacht hatte, bis sie die Bäume kannte, die Rinden und die Farben. Irgendwann entdeckte sie die ersten zwei Stängel Knabenkraut im Moos vor ihrer Terrasse. Seitdem sichert sie jedes Jahr das Areal der Freilandorchideen. „Man kann Bestimmtes einfach geschehen lassen“, so die Schriftstellerin. Gutes Laub liegen lassen, schlechtes wegschaffen, Eibensämlinge aufziehen. Auch Azaleen auslichten: „Doch nicht jetzt, jetzt will ich lesen, morgen vielleicht.“

 

Autor: Elke von Radziewsky
Fotograf: Angela Franke

Leise Autos, die keine Abgase mehr ausstoßen. Gesundes Gemüse, das auf Hausdächern gedeiht. Neue Gebäudekonzepte, die aus Abwasser klimafreundliche Energie gewinnen. Für die Stadt der Zukunft gibt es viele Ideen, die das Leben in der Stadt verbessern. Diese mit den Bürgern zu diskutieren, gemeinsame Visionen für die Zukunft zu entwickeln und in ersten Städten zu erproben – darum geht es im Wettbewerb „Zukunftsstadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. 52 ausgewählte Städte, Gemeinden und Landkreise entwickeln dafür gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaft, lokaler Politik, Wirtschaft und Verwaltung eine ganzheitliche und nachhaltige Vision 2030+ für ihre Kommune. Über drei Phasen hinweg sollen die Visionen am Ende, ab dem Jahr 2018, in Reallaboren umgesetzt und dem Praxistext unterzogen werden.

Bürgerschaft und Wissenschaft gemeinsam für die Stadt von morgen
Ob es um sichere Arbeit, bezahlbares Wohnen, Klimaanpassung, nachhaltige Mobilität oder Energieversorgung geht: Wenn Städte, Gemeinden und Landkreise die großen Herausforderungen der Zukunft meistern wollen, müssen sie Bürger und Wissenschaft in ihre Entscheidungen miteinbeziehen. Im Wettbewerb „Zukunftsstadt“ bringen deshalb Teams aus Bürgern, Wissenschaft, lokaler Politik, Wirtschaft und Verwaltung ihre Vorstellungen an einen Tisch. Der Städtewettbewerb soll zeigen: Die Städte der Zukunft sind ein Gemeinschaftsprojekt, das alle angeht.

Schritt für Schritt in Richtung Zukunft
Insgesamt umfasst der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ drei Phasen: von der Entwicklung einer Vision über die Planung der Umsetzung bis hin zur Umsetzung selbst. Aus insgesamt 168 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet hat eine unabhängige Jury aus Expertinnen und Experten im April 2015 insgesamt 52 Städte, Landkreise und Gemeinden für die Teilnahme an der ersten Projektphase ausgewählt. Sie stehen nun vor der Aufgabe, konkrete Handlungsempfehlungen und Umsetzungsvorschläge für die Zukunft ihrer Kommune zu erarbeiten. Dafür stehen Fördermittel von insgesamt 1,75 Millionen Euro zur Verfügung.

Mit ihren Ergebnissen können sie sich für die weiteren zwei Phasen des Wettbewerbs qualifizieren. 2016 starten bis zu 20 ausgewählte Städte, Landkreise und Gemeinden in die zweite Phase der konkreten Planung. 2018 erhalten dann bis zu acht Kommunen die Chance, die von ihnen entwickelte Vision in die Realität umzusetzen.

Partner des Wettbewerbs im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2015 sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag. Der Wettbewerb ist Teil der Leitinitiative „Zukunftsstadt“ des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“ (FONA³).

Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von Richtlinien zur Förderung des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“

Der Wettbewerb „Menschen und Erfolge“ sucht nach Beiträgen zu Zukunftsperspektiven für Kommunen in ländlichen Räumen. Unter dem diesjährigen Wettbewerbsmotto „In ländlichen Räumen willkommen!“ wird der Grundvoraussetzung einer Einwanderungsgesellschaft Rechnung getragen. Die Wettbewerbsbeiträge sollen deutlich machen, wie kulturelle Vielfalt konkret gestaltet werden kann und welche Potentiale mit gelingender Integration für die ländlichen Räume verbunden sind.

Der Wettbewerb „Menschen und Erfolge“ findet erstmals unter dem Dach der Nationalen Stadtentwicklungspolitik statt. Er ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit den Partnern Deutscher Landkreistag (DLT), Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB), Deutscher Bauernverband (DBV), Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) und Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG).

Eingeladen zum Wettbewerb sind Vereine und Initiativen, Gemeinden, Unternehmen, Verbände und Privatpersonen. Einsendeschluss ist der 26. Mai 2015.

Wettbewerb 2015 "Menschen und Erfolge - In ländlichen Räumen ankommen"

Sie schützen seltene Orchideen und lieferten das Vorbild für mittelalterliche Kirchenbauten. Kein Baum ist so mächtig wie die Rotbuche, die nach der letzten Eiszeit den halben Kontinent eroberte. Keiner wirkt mythischer als sie. Fünf alte deutsche Buchenwälder gehören seit Kurzem zum Unesco-Weltnaturerbe.

Hoch aufgerichtet, im langen Mantel, mauvefarben vom Hut bis zu den Stiefeln, reitet die Dame durch den Wald. Ihr Pferd ist ein Isabell, hellbraun mit weißen Hufen. Die Bäume sind mit kundigem Blick gemalt, hochgewachsene Säulen von bekannter Art. Der Boden ist eben und mit weichem bräunlichem Laub bedeckt. Das Ross geht gelehrig in versammeltem Trapp, bis auf einmal für den Betrachter nichts mehr stimmt. Denn als ob die Welt von oben nach unten in Streifen aufgeschlitzt sei, gleiten Ross und Reiterin erst sichtbar, dann unsichtbar durch Schichten der Wirklichkeit. Ein magischer Wald, ein Bild voller Rätsel. René Magritte gab seinem Gemälde den Titel „Carte Blanche“ und auf diese Weise jedem Betrachter die Erlaubnis, zu sehen, was er möchte.

Anders als der Maler, der seine surreale Vision vom Wald auf die Leinwand brachte, erkundete der heute fast vergessene Botaniker Reinhold Tüxen (1899–1980) durch genaue Beobachtung den Lebensraum großer Buchenformationen und ihre besonderen Gesetze. Sie waren seine wissenschaftliche Herausforderung. Er gehörte damit in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zu den Gründern des heute bedeutenden Forschungsfelds der Pflanzensoziologie. Tüxen notierte Jahr für Jahr, wie sich das Falllaub durch den Wind auf dem Waldboden verteilt, wie es sich in den Wurzeln sammelt, wie es auf bestimmten Flächen verweht wird und welche Folgen das nach sich zieht. Erst wirken Wind und Laub, dann Wind und Schnee. Erscheinungen wiederholen sich, doch gleich sind sie nie. Warum, fragte Tüxen, zeigen sich in der Schneedecke am Fuß der Stämme diese tiefen schneefreien Ringe? Ist das eine Folge der höheren Bodentemperatur über den Wurzeln oder die Folge einer bestimmten Sonneneinstrahlung am Stamm? Er beobachtete, maß Windgeschwindigkeit und Temperatur und notierte mit seiner eigentümlichen Sprache, „wärmender Wind, um den Baum küsselnd, hat ein tiefes, immer breiter werdendes Loch, manchmal sogar mit Hohlkehlen, ausgekolkt. Die Ähnlichkeit der Schnee- mit der Laubverteilung sind unübersehbar“.

Allein durch Beobachten haben Naturwissenschaftler viele Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten erkannt und gedeutet, doch das Verhältnis der Temperatur zwischen Waldboden und sommergrünem Laubdach hat gleichfalls keine Formel gefunden wie das Spiel von Licht und Schatten oder der herbstliche Farbzauber der Buchenwälder. „Ihre Schönheit lässt sich physikalisch-chemisch ebenso wenig klären, wie die peinlichst genaue chemische Analyse der Farben die Wirkung eines Rembrandt-Gemäldes deuten könnte“, so Tüxen.

Nach der letzten Kaltzeit war die Buche auf günstigen Wegen vom Süden her in die mitteleuropäischen Regionen gewandert. Man kann sich das Tempo ausrechnen. Eine Buche braucht, abhängig vom Klima und vom Boden, etwa 50 Jahre, ehe sie blüht. Sie trägt nur alle sechs bis sieben Jahre eine Mast, wie Fachleute den Samenertrag der Waldbäume nennen. Grob gerechnet brauchte sie folglich 15 Generationen bis nach Berlin. Nach Kassel gelangte sie auf einem anderen Weg, tausend Jahre später. Um Christi Geburt wuchsen erste Buchenwälder an der Küste von England. Tiere haben die Verbreitung der Samen, der dreikantigen ölhaltigen Bucheckern, befördert. Geobotaniker meinen, dass es der Mensch war, der, in vor-christlichen Zeiten noch unstet siedelnd, dem Buchenwald ein bequemes Bett bereitet hat. Auf den bearbeiteten, später der Natur wieder überlassenen Böden keimten in schattigen Birken- und Kiefernpionierwäldern die Bucheckern; Sämlinge wuchsen heran, Buchen besiedelten die Ebenen bis hinauf in die Gebirge, von den Mittelmeerinseln bis nach Südschweden.

Die Rede ist von der Rotbuche, die seit der Benennung durch Carl von Linné im Species Plantarum den Wald silva sogar im Namen trägt. Fagus sylvatica, nicht zu verwechseln mit der Hain- oder Weißbuche, wissenschaftlich Carpinus betulus, ein Baum, der zu den Birkengewächsen gehört. Weitere Fagus-Arten wachsen in Amerika, mehr noch in Asien. Aus unserer in Jahrtausenden heimisch gewordenen Rotbuche, ihr Holz hat einen rötlichen Ton, sind durch Züchtung einige prächtige Parkvarianten hervorgegangen. Purpuria, die Blutbuche, pendula, die Trauerbuche, Fagus sylvatica var. purpurea pendula – die Hängende Blutbuche.

Fagus sylvatica sucht sich ihren Platz unter ihresgleichen. Generationen wachsen gemeinsam heran, sie lassen nur jüngere Buchen folgen, sodass sich auf natürliche Weise reine Buchenwälder gebildet haben. Sie dominierten in Europa, waren geheimnisvoller Raum in einer Zeit, als die Natur jenseits der Stadtmauern ein feindliches Umland war. Im Wald leben die Märchengestalten der Brüder Grimm. Der Buchenhain ist ein Ort frommer Sagen, aber auch Stätte, wo es nachts Teufel regnet. Und wo bei Tage gejagt und gesägt wird; die Balken und Stürze der mittelalterlichen Kathedralen, die Dielen und Treppen in den Häusern der Städte sind in Buchenwäldern gewachsen. Eisenbahnzüge fahren auf Buchenschwellen durch Europa. Viele Ortsnamen weisen auf Beziehungen zu den Buchen. Bukowina hieß ein Land, so heißen Flüsse, Berge, Dörfer in den Karpaten, wo sich heute noch die größten europäischen Buchenwälder befinden. Baal-Schems Revier. Die ältesten dieser Urwälder, in der Ukraine und der Slowakei gelegen, wurden von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. 2011 fügte diese Organisation der Vereinten Nationen den Karpatenwäldern fünf deutsche Buchenwaldbestände hinzu: Teile der Nationalparks Kellerwald-Edersee in Hessen, Hainich in Thüringen, Jasmund in Mecklenburg-Vorpommern sowie die ursprünglichsten Buchenwälder im Müritz-Nationalpark. Dazu gehört auch noch der Buchenwald bei Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin des Landes Brandenburg.

Buchenwälder sind Räume, die sich zu jeder Jahreszeit einladend öffnen. Im Frühling hellgrün im Sonnenlicht flirrend, im Sommer Schatten spendend, goldfarben im Herbst, im Winter schließlich in filigranem Schwarz-Grau-Weiß. Je nach der Beschaffenheit des Bodens bildet sich unter Buchen eine spezifische Flora. Auf Kalk- und Lösböden wächst im Frühling eine Krautdecke aus Lerchensporn, Bärlauch, Perlgras, nicht selten auch Orchideen. Auf kalkarmen Silikatböden siedeln Flattergras, Hainsimsen, Farne, Riesenschwingel, bergwärts und auf feuchten Gründen wächst Bärlapp.

Auch auf Silikatgrund erheben sich die Hallenwälder bei Serrahn. „Dies Gewölbe mir ersetzen kann nicht Mailands hoher Dom ... selbst St. Peter nicht zu Rom“, reimte Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz 1850 über seine silbrigen alten Buchen. Er hatte das Gelände einhegen lassen und jede Veränderung und Nutzung durch die Holzindustrie ausgeschlossen. Der Wald sollte alleiniges Revier der Buche bleiben. Jede einzelne Buche steht heute als altes und einmaliges Individuum, vielleicht als ein V- oder U-Zwiesel, mit doppeltem Stamm, geprägt durch eine tiefe Rinne, wo das Regenwasser aus dem Kronendach zu der Wurzel herabfließt.

Die Rinde ist in den Jahrhunderten eine Heimstatt für unzählige niedere Pflanzen und Tiere geworden. Rotrandiger Baumschwamm und Echter Zunderschwamm haben sich angesiedelt. Sie werden auf dem Stamm weiterleben, wenn die Buche einmal fällt und endlich den Platz frei macht für die jungen Buchen ringsherum. Die Wege im Weltnaturerbe sind verwachsen. Der Buchenwald hinter dem alten Forsthaus Serrahn lebt in absoluter Abgeschiedenheit. Um seine Schutzzone zieht sich ein Gürtel aus später gepflanzten Kiefern, Ahorn und Eichenarten. Auch dieses Gebiet steht seit 50 Jahren unter Schutz. Auf dem Pfad von Zinow nach Serrahn kann man beobachten, wie die Rotbuche in dem Mischwald beständig an Raum gewinnt. Sie ist bestens ausgestattet, kann Jahrzehnte umgeben von Kiefern im Schatten stehen. Wenn sie dann durch Ausfall einer Kiefer Platz bekommt, wächst sie schnell heran. Verbleibende Kiefern halten sich noch zwischen den dicken Ästen der Buchenkronen. Es sieht aus wie eine Umarmung, aber das täuscht. Die Buchen sind mit dem Wind verbündet. Ihre Äste scheuern, sie verletzen den Kiefernstamm, begrenzen seine Existenz, während sie gedeihen. Man hat herausgefunden, dass ihre Wurzeln einen Stoff abgeben, der heranwachsende Buchen unterstützt, anderem Jungwuchs jedoch schadet.

Das Bedürfnis, die Buchenwälder zu schützen, erscheint wie ein Nachtrag zu der Zeit, in der Menschen bei ihrer Verbreitung halfen. Dafür spenden die Wälder Bauholz, Nahrung und zuletzt auch Erholung. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mag so in den letzten 5000 Jahren entstanden sein.

 

Quelle: 
Architektur & Wohnen, Ausgabe 05/2014
Autor: 
Helga Schütz

Bürgerliche Moderne, 120-Grad-Stil, Kinetik: Ein Mosaik aus Gartenformen des 19. und 20. Jahrhunderts und eine Sammlung rarer Gehölze machen den Park in Hamburgs Zentrum zu einem der ungewöhnlichsten und spannendsten in ganz Europa.

Komm in den Park. Ja. Bin schon da. Beinahe übergangslos, das steile Doppel-Hochhaus des Radisson-Hotels noch im Rücken, stehe ich vor der erstaunlichen Platane, die Johann Georg Christian Lehmann, Professor der Naturlehre, 1821 gepflanzt hat: der Beginn des Botanischen Gartens am Dammtor in Hamburg. Mein lieber Mann. Gibt es einen Menschen, der so alt ist wie dieser Baum? Eher nicht. Gibt es eine andere Stadt, die aus einem martialischen militärischen Objekt des Dreißigjährigen Krieges, aus einer Verteidigungsanlage mit 22 Bastionen und elf Vorwerken einen Garten Eden in ihrer Mitte geformt hat? Es gibt sie, aber selten so raumgreifend.

Hamburg hat es vollbracht. Über die Jahrhunderte hinweg, mit guten und minder guten Ideen, mit Auf- und Rückbauten, auf Wegen und Irrwegen, in leidenschaftlichem Bemühen und mit tätigen Zweifeln, mit großem Geld und guten Worten und nicht zuletzt den Konzepten etlicher Gartenschauen. Heute rüttelt niemand mehr an dem Park, der Planten un Blomen heißt. Das nenne ich Sprachwitz. Einen Garten, der sich Pflanzen und Blumen nennt, kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre bieder. Aber das niederdeutsche Planten un Blomen, keine Frage, das geht, da schwingt neben Heimatlichkeit etwas Irrationales mit.

Schade nur, dass der Park den Namen zur Niederdeutschen Gartenschau 1935 erhielt. Damit war die Bezeichnung nach 1945 kontaminiert und das Gelände gleich mit. Und natürlich der Mann, der die Schau 1935 gestaltet hatte: Gartenarchitekt Karl Plomin. Wie umgehen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auf dem Gebiet der Botanik? Ausdiskutieren? Wer mit wem? Wenn keiner so richtig will? Was ist an Planten un Blomen faschistisch? Und was war mit Karl Plomin? Er gestaltete auch die Internationalen Gartenschauen 1953 und 1963, und an der von 1973 war er beteiligt. So einfach ist die Vergangenheit.

 

Schlagworte: 
Parks
Quelle: 
Architektur & Wohnen, Ausgabe 03/2013
Autor: 
Fritz-Jochen Kopka
Fotograf:
Giovanni Castell

Der Callwey Verlag und Garten + Landschaft loben zum ersten Mal gemeinsam mit ihren Partnern – Mein schöner Garten, dem BGL, dem bdla, der Kann GmbH und Schloss Dyck –, den Wettbewerb GÄRTEN DES JAHRES aus. Gesucht werden die besten von Landschaftsarchitekten / Garten- und Landschaftsbauern gestalteten Privatgärten im deutschsprachigen Raum.

Die eingereichten Arbeiten werden am 30. Juli 2015 von einer unabhängigen Jury beurteilt, in der u.a. eine Vertreterin/ein Verteter des bdla mitwirkt.

Der 1. Preis ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro dotiert, weitere Büros bekommen eine Auszeichnung. Die Zeitschriften Garten + Landschaft und Mein schöner Garten stellen die Siegerprojekte ausführlich vor. Die 50 besten Gärten werden außerdem in einem umfangreichen Bildband im Callwey Verlag veröffentlicht.

Die Preisverleihung findet am 16. Februar 2016 auf Schloss Dyck statt.

Einsendeschluss ist der 15. Juli 2015; hier geht es zur Wettbewerbsauslobung.

Das Bundesbauministerium stellt auch in diesem Jahr 50 Millionen Euro für Städtebauprojekte von besonderer nationaler Bedeutung und Qualität zu Verfügung. Für das Investitionsprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" können sich Vorhaben u.a. aus den Bereichen Denkmalschutz, UNESCO-Kulturerbe und Grün in der Stadt bewerben.

Gesucht werden Premium-Projekte, die beispielgebend und zukunftsweisend sind. Interessierte Städte und Gemeinden können bis 20. Mai 2015 ihre Projekte beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) einreichen. Die Bewertung dieser Vorschläge übernimmt eine interdisziplinär besetzte Jury. Das neue Bundesprogramm zur Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus wurde im vergangenen Jahr erstmals aufgelegt und fand große Resonanz.

Den Projektaufruf finden Sie hier.

 

Exotische Blüten, Urwaldgiganten, Dattelpalmen: Umspült vom Golfstrom liegt vor Englands Küste das tropische Paradies Tresco Abbey Garden, über Generationen entstanden aus der Beute einer pflanzenversessenen Familie. Den Anfang machte Augustus John Smith, ein Weltverbesserer, der auf Scilly Islands ein privates Reich gründete mit eigenen Regeln und einem Landschaftspark in den Ruinen einer alten Benediktiner-Abtei.

Weiter geht es nicht. Die Inselgruppe der Scilly Isles im Westen Britanniens ist der äußerste Zipfel Englands vor Amerika. Nur fünf der 140 kleinen, vom Golfstrom umspülten Atlantik-Inseln sind bewohnt. Sie sind Teil des Herzogtums Cornwall – mit Ausnahme von Tresco, der zweitgrößten Insel, die sich seit 1830 im Privatbesitz befindet. Tresco, drei Kilometer lang, anderthalb Kilometer breit und 45 Kilometer vom Festland entfernt, ist von allen Scilly-Inseln am besten bekannt durch seinen exotischen Garten, in dem tropische und subtropische Pflanzen aus allen fünf Kontinenten wachsen. Neun Stunden dauert die Anreise von London: Eisenbahn, zweimotoriges Flugzeug, Fischerboot, ein tuckernder Traktor – dann ist man da, in einer Bilderbuch-Idylle mit Sandstränden, Badebuchten und einer üppigen Vegetation, in der blaue und weiße Agapanthus wie Unkraut wachsen.

Es gibt keine Autos. Von den 130 Einwohnern hat es niemand eilig. Haustüren bleiben unverschlossen. „Schlüssel kennen wir hier nicht“, sagt Mike Nelhams, der 1976 als Student der Royal Horticultural Society im Tresco Abbey Garden arbeitete. Sieben Jahre später kehrte er zurück, wurde mit der Zeit Chefgärtner der Anlage und ist heute ihr Kurator. Neu gebaute Feriensiedlungen fallen auf. Vor den Türen stehen Golfcarts. „Auch bei uns“, sagt Mike Nelhams, „ist die Zeit nicht stehen geblieben. Tourismus ist unsere Haupteinnahmequelle. Im Sommer haben wir mehr Gäste als Einheimische.“

Eine blaue Holzbrücke führt in den Garten, direkt zum Long Walk, einer zentralen Achse, die leicht aufwärts und am Ende einer Treppenflucht auf eine Steinfigur zuläuft, die den römischen Gott Neptun darstellt. Sieben Hektar ansteigendes Land sind in unterschiedliche Gartenzonen aufgeteilt. „Am weitesten unten haben wir noch tiefgründigen Boden, auf dem Bäume wachsen können“, sagt Mike Nelhams. „Hier gedeihen unsere Schattenpflanzen aus Neuseeland. Je höher man klettert, desto heißer wird es und dürrer.“ Oben angelangt, ist die Erde nährstoffarm und vom Wind ausgetrocknet. „Perfekt für Pflanzen aus Südafrika und den australischen Wüstenregionen, die an solche Konditionen gewöhnt sind.“

Der Aufstieg in die Welt fremdländischer Blüten und exotischer Bäume beginnt mit Palmen, Pinien und kräftigen Baumfarnen. Bambushaine fächern das Sonnenlicht. Goldfasane spazieren durch Laubengänge – vorbei an australischen Eukalyptus- und Pfefferbäumen, Agaven aus Mexiko, orangefarbenen Natternköpfen von den Kanarischen Inseln und immergrünen Bromeliengewächsen aus Zentralchile. In dem geschützten mittleren Teil des Gartens stehen Ruinen der Benediktiner-Abtei St. Nicholas, die hier im 12. Jahrhundert existierte. Und ganz oben, auf der obersten Terrasse, wachsen die schillerndsten Exoten, orangefarbene Strelitzien, Zuckerbüsche (Protea) mit grünlichen Spitzen und vier Meter hohe Kanarische Riesengänsedisteln mit gelben Blüten.

Der Ausblick auf die Küste und die anderen Inseln ist grandios. Eine Brise kommt auf, und man ahnt, warum die gesamte Gartenanlage mit hohen Hecken aus Steineichen eingefasst ist. „Unser größtes Problem sind die salzigen Atlantikstürme“, sagt Mike Nelhams. „Ohne Windschutz gibt es hier keinen Garten.“ Auf der Insel bestimmt Wind einen großen Teil des Lebens, betont er: „Ganz aussperren wollen wir ihn nicht. Das würde den Pflanzen die Luft abschnüren. Aber wir müssen ihn filtern, sein Tempo bremsen.“ Wenn die neun Gärtner des Tresco Abbey Garden zusammensitzen, drehen sich die Gespräche wenig um die üblichen Themen wie Dünger und den pH-Wert des Bodens. Stattdessen wird über Windstärke neun im Januar diskutiert. Und über die Seebrisen im August, die das Land austrocknen oder den feuchtigkeitsspendenden Seenebel, der sich das ganze Jahr über einfindet. Regen fällt auf der Insel wenig. „Im Winter allerdings kann es durchaus mal eine Woche lang schütten. Dann saugt die Erde das Wasser wie ein Schwamm auf, und whoosh – alles wächst wie verrückt.“ Auch Wetterdramen hat der Garten schon erlebt. „Womit haben wir das verdient?“, fragten sich die Gärtner, als 1987 ein Schneesturm großen Schaden anrichtete. Drei Jahre später, als der Park nach mühseliger Arbeit wieder aufgeforstet war, verwüstete ein Hurrikan ihn zum wiederholten Mal. „Doch in der Regel“, sagt Mike Nelhams, „garantiert der Golfstrom ein mildes Klima mit Temperaturen, die nie über 22 oder unter acht Grad Celsius liegen.“

Narzissen blühen auf Tresco Island schon im November. An jedem Neujahrstag zählen die Gärtner ihre Blumen und kommen Jahr für Jahr auf rund 300 verschiedene Arten. Da ist es kaum noch vorstellbar, dass um 1830 auf der Insel kein einziger Baum gestanden haben soll. Doch die Geschichte des exotisch-bunten Gartens begann erst mit Augustus John Smith, dem ältesten Sohn eines Landedelmanns aus Hertfordshire.
Smith, der sich als Philanthrop und Stifter von Schulen bekannt gemacht hatte, suchte nach weiteren Lebensaufgaben und fand sie auf den Scilly Isles. Er pachtete die ganze Inselgruppe, gab sich selbst den Phantasietitel eines Land Proprietors und startete Wirtschafts-, Arbeits- und Erziehungsprogramme. Beliebt machte ihn das bei der einheimischen Bevölkerung nicht. Denn damals waren viele Fischer und Bauern im Nebenberuf Piraten, Schmuggler und Strandräuber. Augustus John Smith wollte sie bessern, zwang sie zu ehrenwerter Arbeit und dazu, ihre Kinder in die Schule zu schicken – 40 Jahre bevor auf dem Festland die Schulpflicht eingeführt wurde.

Als Herrscher über sein Inselreich baute er sich auf dem von den anderen Inseln vor Stürmen weitgehend geschützten Tresco Island in der Nähe der Klosterruinen ein Haus, nannte es Tresco Abbey und legte einen Garten an. Er tauschte sich mit dem Chefgärtner von Kew Gardens aus, erbat sich von ihm Pflanzen und führte zudem ein ungeschriebenes Gesetz ein: Inselbewohner, die als Kapitäne zur See fuhren, mussten als Teil ihrer Hauspacht Pflanzenableger, Samen und Knollen von Übersee mitbringen – der Grundstock von dem, was heute hier blüht und gedeiht.

Augustus Smith hatte zwar keine legitimen Kinder. Aber ein Neffe übernahm das Inselreich und setzte das Gartenbau- und Pflanzensammelwerk fort, ebenso die nächsten Generationen. Eine Dynastie von Hobbybotanikern schaffte in gut 150 Jahren die 20.000 Pflanzenarten aus aller Welt zusammen, die heute Tresco Abbey berühmt machen. Darunter 70 verschiedene sukkulente Aloen-Arten. „Dass allerdings Aloe vera eine besondere Heilkraft hat, ist eine Marketing-Strategie“, verrät Gärtner Dave Finch, der für Anzucht und Vermehren von Pflanzen des Gartens zuständig ist. „Alle Arten von Aloe haben diese Eigenschaft.“

Noch immer wird die Insel feudal regiert, heute von Robert Dorrien-Smith, der im alten Herrenhaus direkt neben dem Garten wohnt. „Dass hier ein Dorrien-Smith bereits in der fünften Generation lebt, bedeutet für uns Kontinuität und Engagement“, sagt Mike Nelhams. „Natürlich versucht dabei jede Generation, dem Garten ihren eigenen Stempel aufzudrücken.“ So schätzt die derzeitige Familie die Verbindung von Kunst und Natur. Robert Dorrien-Smith plante den blauen Steg am Eingang des Gartens, seine Frau Lucy entwarf das Shell House, einen mit Muscheln dekorierten Pavillon auf der mediterranen Terrasse. Und überall in Tresco Abbey Garden stehen Kunstwerke von David Wynne und anderen zeitgenössischen britischen Bildhauern.

Am Ende des Tages treibt der Wind die Wolken von der See aufs Festland. Der Traktor wartet, und wenig später legt das Boot ab. Fünf Minuten darauf ist man zurück in der big bad city Hugh Town, dem Hauptort von St. Mary’s. Mit rund tausend Einwohnern, Autos und Polizisten wirkt er fast urban. Der kurze Flug mit dem Skybus nach Land’s End und die lange Zugfahrt zurück nach London stimmen melancholisch. Als sei das Verhältnis zur Welt ein anderes geworden. Tresco hat einen Zauber, der die Rückkehr in die Realität erschwert.

 

 

Quelle: Architektur & Wohnen, Ausgabe 06/2013
Autor: Josephine Grever
Fotograf:
Howard Sooley

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