Ob niederländisches Flandern oder französisches Wallonien: So gespalten Belgien sein mag, in den Gärten ist es eins – deutsche Naturbewegung hat hier kaum an Boden gewonnen. Im Kernland der Europäischen Gemeinschaft geht es um die gute Fasson, klare Achsen, gelenkte Blicke und – die Rundreise zeigt’s – immer neue Hecken.

JACQUES WIRTZ

Der große Garten ist alt und gebeugt wie der Mann, der darin lebt. Greise Obstbäume schleppen schwer an schrundigen Ästen, behüten in die Jahre gekommene Buchsgebilde. Nahe am Haus reflektiert ein rechteckiges Wasserbecken den Himmel. Ein schnurgerader Rahmen mit Iris umgibt es, die Blätter sind sauber heruntergeschnitten, Braunes stört den Gärtner nicht. Im Juni werden sich Knospen emporschieben, Blüten sich öffnen, Domblätter sich wölben, die Bärte funkeln. Er braucht kein ständiges Blühen. Er kann warten. Sein Leben lang hat er Pläne gemacht für Gärten, die prächtig wurden, weil er sich auf wenig konzentriert: Gräser, Bäume, Wasser, eine Kollektion Rittersporn und immer wieder Hecken, heraldisch, klar. Belgien, das hellste Land Europas, nachts, wenn die Autobahnen beleuchtet sind, ist berühmt für Schokoladen und Pommes, für seine Königin und das Atomium, doch kaum als ein Land voll meisterhafter Gartenkunst. Wäre nicht dieser Jacques Wirtz gewesen, der in den 70er-Jahren begann, architektonische Gärten anzulegen, die ihn weltberühmt gemacht haben und über die A&W vielfach berichtet hat (u. a. A&W 1/02). Es sind Schnecken, Mauern, Würfel, Zirkel aus Eibe und Buchs geschnitten, Gräserfelder, Rasenstücke, Wasserspiegel, frei zusammengefügt zu überdimensionalen Reliefs. Artifizielle Gärten, die im Sommer und Winter ihre Haltung bewahren, als gehorchten sie einem geheimen Protokoll. Eine Reise durchs Land zeigt zwei Kulturen: den flandrischen Norden, wo wir Pflanzenjäger- und Puzzlergärten besuchen; und den feudaleren Süden, das französisch geprägte Wallonien, wo sich Schloss an Schloss zu reihen scheint, halbstündig könnte man hier Parkvisite machen. Doch so getrennt das erscheint, Haltung und Fasson ist allen gemeinsam – deutsche Naturgärtnerei gewinnt hier wenig an Boden.

KOEN VAN POUCKE

Sinn für Dramaturgie und ein Pflanzenschatz, den er regelmäßig mit Expeditionen nach Burma,Tibet und dem Kaukasus vergrößert, machen Koen Van Pouckes Gärtnerei zur Fünfsterneadresse für Pflanzenfreunde. Ein Jahr lang hatte er nach dem Studium bei Jacques Wirtz gearbeitet, dann startete er im elterlichen Betrieb mitten in Sint-Niklaas. Von Haselnussbauern hat er sich das Kultivieren ihrer Büsche abgeschaut, pflanzt sie in zwei Reihen, schneidet sie so zurecht, dass nur fünf Stämme übrig bleiben. Die neigen sich dann zu einem Tunnel. Unter den Haseln breiten sich Teppiche aus in allen Grüntönen schimmernder Schattenpflanzen: Hosta, Epimedium, Helleborus, Trillium, Maiapfel. Ein buchsgesäumter Weg teilt sie in der Mitte. „Wie bei Jacques Wirtz“, sagt Koen Van Poucke, kein Mann von falschem Stolz. „I am a copy man.“ Und ein Sammler, von Dahlien, den schönsten, den größten; Ingwerorchideen, den seltensten; Veratrum, dem wunderbaren Plisseeblatt, in allen Arten; Helleborus, Elfenblumen und mehr. Züchterehrgeiz? „Nicht vorhanden.“ Dafür ein Händchen fürs Erlesene, auch für seltene Narzissen. Er hat ihnen ein altes Gewächshaus gewidmet, mit einem fünf Stufen tief in den Boden gebauten Backsteinsockel. Eine Prachtrabatte aus Canna und Riesenzinnien säumt es außen, hohe Hecken umschließen das Ganze. Grüne Kabinette – es gibt noch mehr davon bei ihm –, auf spezielle, aber erfüllbare Wünsche eingeschränkt. Der Besucher geht und wünscht sich: „Genau so will ich gärtnern, und wenn ich das tue, bin ich eins mit der Welt.“

KALMTHOUT

Gärtner sind Networker. Sie reisen gern und besuchen sich gegenseitig, tauschen Saat, Stecklinge und Erfahrungen. Nicht weit von Schoten, auf der anderen Seite von Antwerpen, liegt das Arboretum Kalmthout, jahrzehntelang eine der gastfreundlichsten Adressen für Eingeweihte. Seine Gründerin ist Jelena Kovacic, die 1954 nach ihrem Landwirtschaftsstudium aus Slowenien kam und den botanikbegeisterten Diamantenhändler Robert de Belder heiratete. Das ideale Paar kaufte eine alte Gärtnerei und verwandelte sie über Jahrzehnte in das heute als Kalmthout bekannte Baumschatzhaus. Morgens früh um acht zum Tee in Jelena de Belders Küche, Spaziergänge zur weltberühmten Hamamelissammlung, den Hydrangeen und japanischen Kirschen, viele schwärmen von ähnlichen Besuchen. 2003 ist die große Pflanzenkennerin gestorben. Ihr Gartenchef Abraham Rammeloo hütet seither die Sammlung, verfeinert sie Jahr um Jahr, hat einen Bambusgarten mit Brücke erfunden, denn die Riesengräser mögen es nicht, „wenn man ihnen auf die Füße tritt“, hat duftende Gruppen aus Gehölzen komponiert und einen Teppich aus kurz geschorenem Gras nahtlos um die Bauminseln ausgelegt – ein Gartenarchipel: Sein ganzes Ausmaß erkennt nur, wer den Übersichtsplan zu Hilfe nimmt.

CHRIS GHYSELEN

Eine gute Autostunde von Kalmthout entfernt, oben über Antwerpen und Gent hinweg, hat Chris Ghyselen seinen Garten am Rand der Feldmark von Oedelem (Beernem) angelegt. Busgesellschaften reisen zu ihm, angelockt von glänzenden Fotos in Magazinen und einer vielversprechenden Website. Im Wind schwingende Gräser-Flokatis neben urigen Weiden, eine englische Staudenrabatte hier, ein Schattenpfad dort, umpflanzter Schwimmteich samt Bachlauf, Gewächshaus mit Tomaten, Topiary-Künste, dazu die zweithöchsten Hecken in ganz Belgien: Chris Ghyselen hat alles, was angesagt ist, in einen Garten gepackt, der wie sein sehniger Dompteur auf Zack ist – und kleiner als erwartet. Er erinnert an das Lunchtablett einer Fluggesellschaft, so ineinandergeschachtelt sind die Teile. Chris Ghyselen hat noch eine Spezialität: Er ist Persicaria-Spezialist, eine Pflanze, drahtig wie ihr Meister, knotige Stängel, große Blätter und winzige Knöllchenblüten in langen Rispen, vor allem Naturgartenfans sind hinter ihr her. Ein Foto noch von den Riesenscheibenhecken – die Reise geht weiter.

BELOEIL

Formschnitt steckt den Belgiern so tief im Gärtnergemüt wie Kindern der Geschmack von Schokolade. Vielleicht weil sie ihre Gartengeschichte auf eine der weltschönsten französischen Anlagen zurückführen können: Beloeil, über 250 Jahre alt, nach Regeln aus dem berühmten Traktat des Dezallier d’Argenville ausgeführt und nach wie vor im Besitz der Fürsten von Ligne. Der Zugang ist feudal: ein bei Regenwetter doppelt graues Schloss mit Ehrenhof und Wächterbaselisken, davor ein alter belgischer Marktplatz mit Kirche und granitenen Häusern. Ein unüberwindlich hohes Tor öffnet sich zu festgesetzten Stunden in ein Himmel-Wasser-Bäume-Land mit schnurgeraden Wegen, Spiegelbecken und Kanälen, Buchen, die zum Schachbrettwald aufgepflanzt oder zu grünen Architekturen dressiert sind. Es gibt Kolonnadengänge, in die man hinein- und herausspaziert, Portale, runde Plätze, sogar Spitzgewölbe, die in Turmhöhe aus Zweigen geflochten sind. Fünf Gärtner sind beschäftigt. Es müssten doppelt so viele sein, um die grüne Fassung dieser Wasser- und Himmelwelt blitzen zu lassen. Sie schaffen es nicht, die Heckenwände sind bis in eine Höhe von gut sechs, sieben Metern geschoren, darüber struppeln die Zweige. Kanäle veralgen, der Neptun am Ende des großen Beckens bröckelt – egal, noch ist Beloeil unübertroffen.

VAN BUUREN

Was unterscheidet die in Fasson geschnittenen Anlagen diese Schlosses von denen, die René Pechère in der Mitte des 20. Jahrhundert in ungezählten belgischen Gärten anlegte, die sich in Brüssel auf dem Kunstberg, im Botanischen Garten und beim Museum von David und Alice van Buuren finden? Pechère war der belgische Garten-Star der 50er- und 60er-Jahre und Jacques Wirtz’ großer Konkurrent in dessen Anfangsjahren, ein Liebhaber historischer Gartenstile, die er in etwas Kompaktes, Trutziges transformierte: Eibenhecken, wie aus Quadern errichtet, bilden bei van Buuren eine Festung um den berühmten Jardin du Coeur, kleine Buchshecken, die Herzen bilden und mit Rosen gefüllt sind. Und auch das Labyrinth, das Pechère für Madame van Buuren konstruierte, ist eine solide, fest gefügte Konstruktion mit sieben integrierten Kammern, nicht Irrgarten für neckische Spiele, sondern finsterer Palast des kretischen Minotaurus. Verschwunden das leichte Höfische, der Sinn fürs Ziselierte, Übertriebene.

MARIEMONT

Landschaftsparks nach englischem Vorbild verdrängen seit dem 18. Jahrhundert die kapriziöse französische Gartenkunst. Ein romantisches Weltverständnis rückte an die Stelle manierierter Etikette. Tempelchen, Brücken, Grotten und künstliche Ruinen lieferten den Stoff fürs Naturgefühl. Mancher Park nutzte echte Trümmer, nicht wie heute, wo zerstörte Kirchen Mahnmale sind. Eher verdoppelten Mauerstümpfe vis-à-vis von Baumriesen den historischen Schauer. Mariemont war ein Jagdschloss mit europäischer Geschichte. Maria von Ungarn, Prinzessin von Kastilien, Österreich und Burgund, Königin von Böhmen und Ungarn, Statthalterin der Spanischen Niederlande, hatte es im 16. Jahrhundert gegründet. Über Jahrhunderte gewachsen, wurde das Gebäude knapp zwei Jahrzehnte vor der Französischen Revolution von Grund auf modernisiert – ein Treffpunkt für feudale Jagdgesellschaften und höfische Feste. Als die Österreicher gegen Frankreich marschierten, brannte Mariemont in der Nacht vom 21. Juni 1794, die Dorfbevölkerung plünderte, zurück blieben Ruinen. Ein Kohle-Baron aus der Nachbarschaft, Nicolas Warocqué, kaufte das Anwesen, baute sich ein neues Schloss, schaffte Gärtner herbei, seltene Bäume und schuf den prächtigen Landschaftspark. Mariemonts Reste wurden Kulisse für Rodins „Bürger von Calais“ – Teil der Warocqué’schen Kunstsammlung.

HEX

„Rosa mutabilis, mein Liebling, wunderbar leger mit Blüten, die sich gelb öffnen, dann zu Rosa, Orange und Karmin wechseln.“ Ghislain d’Ursel, Herr über Hex, zeigt auf einen nackten Fleck krümeliger Erde. Ein Stöckchen steckt darin mit dem Namen seiner Rose, der Frost im letzten Winter hat ihr übel mitgespielt. Ein jährliches Rosenfestival hat Hex weit über die belgischen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Über Verbindungen zur Niederländischen Ostindien-Kompanie kamen allererste Exemplare Rosa chinensis multipetala hierher, da lebte der Gründer des Landguts noch. François-Charles de Velbrück (1719 bis 1784) war Fürstbischof von Lüttich, ein aufgeklärter Despot und Landesherr, der wie der Wörlitzer Franz von Anhalt-Dessau für Kunst, Natur und Garten glühte. Hex war fürstbischöfliches Hideaway und gleichfalls einer der frühen englischen Parks auf dem Kontinent – wenn auch zu seinen Lebzeiten noch recht klein. Ghislain d’Ursel zeigt von der Schlosstreppe aus auf einen entfernt gelegenen Hügel, zu de Velbrücks Zeiten nur Aussichtspunkt, heute Teil des Ganzen. Geduldig hat die Familie Generation für Generation den Park ins Land vergrößert, und zäh kämpft Ghislain d’Ursel gegen jedes Windrad, das im Sichtfeld aufgestellt werden soll. So etwas passt nicht in seine Vorstellung vom historischen Erbe, das so vieles umfasst: Pferdemausoleum, Hundefriedhof, auch den grandiosen Küchengarten, biologisch-ökologisch vom eigenen Gärtner geführt, mit einmaligem in den Hang gebauten Gemüsekeller – uralt und ganz modern.



Quelle: Architektur & Wohnen, Ausgabe 02/2015
Autor: Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry

Olaf Grabner gehört zu den Pionieren der deutschen Gärtner-Avantgarde: Für einen Unternehmer legt er in Wiesent bei Regensburg den Nepal-Himalaya-Garten an – rund um einen bei der Expo 2000 gekauften Pavillon.

Der größte Buddha wiegt 2,4 Tonnen. Er besteht aus Basalt. Der kleinste ist aus Plastik und wird als einziger häufig geklaut. Neben ihnen gibt es welche aus Bronze, aus Ton, aus weißem Marmor oder Alabaster. Sie sitzen, stehen oder liegen. Wenn sie Schutz brauchen, lässt der Unternehmer Heribert Wirth ihnen in Nepal ein Tempelchen schnitzen, dann müssen sie im Lager warten, bis sie in den Garten kommen. Sind sie wetterfest, sorgt Olaf Grabner für sie, umgibt sie mit Lilien, großblättrigem Zierrhabarber oder feinstrahligen Astern, zum Beispiel Erigeron ,Mrs. E. H. Beale’. Sehr wahrscheinlich, dass an keinem anderen Ort der Welt Buddha-Figuren so liebevoll auf Blüten gebettet sind wie im oberpfälzischen Wiesent.

Sechs Hektar Land, ein alter Steinbruch, sonnige Hanglage, bei Föhn kann man bis zum Großglockner sehen. Der Boden ist steinig, voll gelb verwitterten Granits. Wald grenzt an. Vor gut zehn Jahren hat Heribert Wirth das Land gekauft. Er brauchte es als Platz für den Nepal-Himalaya-Tempel, den er mehr oder weniger zufällig 2001 der Expo in Hannover abgekauft hatte. Zwei Jahre blieb die Fracht – „gute 14 Container“ – im Hafen von Regensburg liegen. Dann reisten 28 Handwerker aus Nepal herbei und bauten anderthalb Jahre lang die miteinander verbundenen Nachbauten eines buddhistischen Stupas und eines hinduistischen Tempels wieder auf.

Drumherum wurde das Brombeergestrüpp eliminiert. Der neu gebackene Tempelherr, der seine Firma für Gebäudetechnik kurz vorher verkauft hatte, nahm selbst den Bagger und schaffte aus dem Forst nebenan Bäume herbei, legte Wege an, plante Teiche, pflanzte Blumen, „machte alle gärtnerischen Fehler, die man machen kann“, und schickte irgendwann in dieser Zeit eine Mail an den Gärtner Olaf Grabner im brandenburgischen Locktow. Darin stand: „Was wollen Sie verdienen?“

Olaf Grabner war kein Zufallsadressat, seine Reputation ist allerdings eher Insidern bekannt. In den Achtzigerjahren gehörte der Potsdamer zu den aktiven Oppositionellen in der DDR, jenen, die die Wende herbeiführten. Er konnte zwar das Abitur machen, war aber ohne Chance auf einen Studienplatz, lernte Landwirtschaftstechnik und arbeitete anschließend gute fünf Jahre, zuletzt als Brigadier, in der Staudengärtnerei Karl Foerster – „das war wie eine schöne, heile Welt, ein Überlebensanker“. Als nach der Wende auch dort erst einmal alles stillstand, ging er zunächst nach Hannover, dann nach Marktheidenfeld zu Hans Simon, dem Experten für artgerechte Pflanzenverwendung. 1996 gründete er schließlich im märkischen Sand von Locktow seine eigene Gärtnerei.

Schnell gehörte er zu dem halben Dutzend Gärtner, die – vor allem im Ausland bekannt – den Ruhm deutscher Gartenkunst wiederbelebten. Ein Forscher und Ausprobierer, kundig wie wenige, dabei sperrig und unangepasst. Inmitten des Geglitzers der großen Gartenmessen präsentierte er auf einem Flickenteppich seine Raritäten, Töpfchen mit wenigblättrigen Setzlingen. Dysosma und Diphylleia, seltene Agapanthus- und Trillium-Arten: Wer Ahnung hatte, fand bei ihm Schätze. Zehn Jahre später musste Olaf Grabner aufgeben, seine Gärtnerei überstand ein bis in den Mai hinein frostiges Frühjahr nicht. Der Ruf aus dem Nepal-Himalaya-Garten war ein Segen.

Auch dort sind nicht die strahlenden Prachtstauden, nicht hochgezüchtete Tag-, sondern Kröten- und Waldlilien seine Favoritinnen; weniger Pfingstrosen, von denen es nichtsdestotrotz eine großartige Anpflanzung gibt, dafür mehr Ingwerorchideen (Roscoea) und Elfenblumen (Epimedium). Er liebt Schattenpflanzen: Einbeeren etwa in ausgesuchten Arten wie Paris fargesii, eine chinesische Wildart – „hinter der war ich lange her“ –, dabei ist sie nur grün; ein dünner Stiel, eine vierblättrige grüne Blüte, auseinandergespreizt wie Propellerflügel mit dünnen Fäden (den äußeren Petalen) dazwischen. Was macht sie besonders? „Ihre Eleganz, ihre Anmut, die seltene Ausgewogenheit, wenn man für das Feine erst mal ein Auge hat ...“ So fangen Kenner an zu schwärmen. Doch nicht für sie allein gestaltet Olaf Grabner zu Füßen der vielgestaltigen Buddhas den schönsten Garten Bayerns, der kein exotischer ist.

Müsste er das sein? Oder andersherum gefragt: Ist ein Stupa mit Goldturm und Gebetswimpeln in den Ausläufern des Bayerischen Waldes nicht sonderbar? Nein, wenn man sich vor Augen hält, dass ein Garten immer ein künstliches Paradies ist. Hermann von Pückler-Muskaus Pyramiden in Branitz, Franz von Anhalt-Dessaus Vesuv in Wörlitz, Maria Theresias römische Ruinen in Schönbrunn, sie sind alle nichts anderes als der Stupa in Wiesent: Follies in einem romantischen Landschaftspark, mal provokativ, mal kitschig oder sentimental, oft sind es Reiseerinnerungen und manchmal sogar Weltentwürfe. So hoch wie die historischen Vorgänger greift Olaf Grabner nicht.

Seine Mission ist der dauerhafte, naturnahe und lebendige Garten, einer, der aussieht, als würde er von allein wachsen: mühelos und großartig, ohne peinlich zu wirken, mit Gewächsen, die sich ausbreiten dürfen und die dem Gelände und seinen Gegebenheiten quasi auf den Leib geschneidert sind. Nahrungshungrige Groß- und Herbststauden wachsen auf dem der Sonne ausgesetzten Hang, „so kann man immer das ganze Beet in einem Arbeitszug düngen“. Seltene feuchtigkeitsliebende Gewächse konzentrieren sich an der einzigen Stelle, an der auch im Sommer Wasser aus dem abschüssigen Gelände drückt. Kollektionen von Schattenpflanzen versammeln sich in absonnigen Partien. Verschiedenste Bodendecker bilden Matten in einem Waldstück, wo ein Hohlweg neben dem anderen den Hang hinaufzieht – „Ochsenkarrenwege, immer wenn einer ausgefahren war, hat man daneben den nächsten eingerichtet“, was wie modernste Landschaftsmodellierung aussieht. Olaf Grabner versteht sich als „Hebamme, als einer, der dem Garten auf die Welt hilft und ihn dann leben lässt“. Gärten machen eh, was sie wollen, „man kann sie nicht nachbauen, sie entwickeln sich wie Kinder“.

So weit die Didaktik, einfach im Ansatz und kostbar in der speziellen Ausführung. Daneben macht Olaf Grabner das, was dem Gesagten direkt widerspricht. Als Pendant zu Stupa und Hindutempel pflegt er eine Kollektion von Himalaya-Pflanzen. Heribert Wirth hatte die Idee, und er sagte sich, „dümmer werde ich dabei nicht“. Er lernte über Frauenschuh- und Tibetorchideen, über alpine Primeln und Enziane, nahm Kontakte auf und verschaffte sich Saat. Vor allem in Tschechien, wo eine Gruppe außerordentlicher Pflanzenliebhaber lebt, Jäger, die in wochenlangen Expeditionen in abgelegenen Teilen von Sikkim, Bhutan oder Nepal Pflanzen sammeln und anschließend die Saat verkaufen.

Nun ist das oberpfälzische Wiesent, klimatechnisch gesehen, das blanke Gegenteil von Nepal und Bhutan. Statt Nebel und Kühle im Sommer herrscht hier wochenlang sengende Hitze. Damit die Arisaema- und Paris-Arten, die Primeln und Enziane gedeihen, hat Olaf Grabner Bäche angelegt, die die Luft kühlen und feuchter machen, hat schattenspendende Gehölze gesetzt und sprengt an heißen Tagen zusätzlich – „gärtnerische Kunst kann viel erreichen“. Das Ergebnis lockt Pflanzenexperten aus aller Welt herbei – daneben auch manche, die sagen: „Wie schön, da brauchten Sie ja nichts zu machen.“

 

Quelle: Architektur & Wohnen, Ausgabe 02/2014
Autor: Elke von Radziewsky
Fotograf: Regina Recht

„Es ist ein ehrliches Projekt. Es versucht nicht, zu verbergen, was es ist“, schreibt die American Society of Landscape Architecture“ über den Quarry Garden (Steinbruch Garten) nicht weit von Schanghai und zeichnet ihn 2012 mit einem „Honorar Award“ aus. Gut 30 Kilometer südwestlich vom Zentrum gönnt sich die 30-Millionen-Metropole eine Auszeit im Grünen. Vor zwei Jahren wurde dort der 200 Hektar große Shanghai Chenshan Botanical Garden eröffnet, gebaut nach Masterplänen der Münchner Landschaftsarchitekten Valentien + Valentien.

Zu seinen 26 Themengärten gehört der von dem Pekinger Büro Thupdi gestaltete, rund 4,3 Hektar große Quarry Garden. Durch die einstige Granitabbauhalde winden sich Treppen zwischen rostigen Stahlwänden, Pfade führen in enge Tunnel, und über der größten Wassergrube schwebt ein filigraner Holzpfad. Er lässt die bis zu 70 Meter hohen Steilwände noch bedrohlicher aussehen. Ein begehbarer Industriethriller mit Happy End: Am Ausgang warten Blumenbeete.

 

Quelle: Architektur & Wohnen, Ausgabe 01/2013
Fotograf:
Yao Chen

Städtebau und Freiräumliche Qualität | Die städtebauliche und gestalterische Leitidee des Entwurfes folgt der Überlegung vom familienfreundlichen Wohnen im Grünen – vom Wohnen im Park. Die vorhandene Struktur des städtischen Raumes wird nicht nur erhalten, sondern durch die Stellung der Baukörper und die differenzierten Öffnungen zu den Straßenräumen neu interpretiert. Die Anordnung der Baukörper und deren Verdrehung lassen beschützte hochattraktive Innenbereiche mit harmonischen Proportionen entstehen. Kleine Höfe und gestaltete Innenflächen bieten vielfältige Erfahrungsräume und laden zur informellen Kommunikation ein. Durch das Drehen der Baukörper können etliche großkronige Bäume erhalten werden. Ergänzend schlagen wir das Ausgraben und Einlagern der restlichen Bäume vor. Diese können dann in die durch das Drehen der Baukörper entstandenen großzügigen Gebäudefugen wieder eingepflanzt werden. Diese Maßnahme ist nicht nur als ökologisch nachhaltig zu bewerten, es werden dadurch den zukünftigen Bewohnern sofort nach Bezug intakte Außenräume geboten. Jede Erdgeschoßwohnung erhält einen abgegrenzten Vorgartenbereich. Die Höhendifferenz an der Karl Benz Straße wird über zwischen den Gebäude liegende Höfe aufgenommen.

Architektonische und gestalterische Qualität | Das architektonische Erscheinungsbild versucht sich über eine differenzierte Fassadengliederung und über gleichartige Fenstermotive in den bestehenden Kontext der umliegenden Stadtvillen einzufügen. Das Ziel ist eine Auflösung der massiven Wandflächen und ein Verschmelzen des Baukörpers mit dem Grün- und Straßenraum. Die Füllflächen sind bei angrenzenden Individualräumen großflächig und lösen sich bei Wohnräumen auf bzw. werden dort durch Glasflächen ersetzt. Durch dieses Wechselspiel der Fassadenfläche und Verbindung mit der Drehung der Baukörper entsteht eine ablesbare Fassade. Ähnlich wie bei den umliegenden Stadthäusern werden die Loggien teilweise körperhaft vor den Baukörper gestellt. 

PROJEKTBETEILIGTE
Architekten
PIA Architekten, Karlsruhe (DE), Mannheim (DE)

PROJEKTDATEN
Baubeginn 2015
Fertigstellung 2016
Gebäudetyp Wohnumfeld
Projektadresse DE-68167 Mannheim

 

Quelle/Foto: PIA Architekten, Karlsruhe

Im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Schule wurde der asphaltierte Pausenhof entsiegelt und neu gestaltet mit vielseitigen Nutzungen.
 
  • PROJEKTBETEILIGTE

     

      • Landschaftsarchitekten
      • GHP Landschaftsarchitekten, Hamburg (DE) 
      • Bauherren
      • SBH | Schulbau Hamburg, Hamburg (DE)

 PROJEKTDATEN


Baubeginn 2012
Fertigstellung 2014
Gebäudetyp Innenräume, Möblierung / Schulhöfe (Renovierung / Sanierung)
Projektgröße
Fläche der Freianlagen 2.400 m2
Projektadresse Burgunderweg 2
DE-22453 Hamburg

Foto: GHP Landschaftsarchitekten

Die Obstwiese ist eine Parkanlage, in der in besonderer Weise die Erholung der Besucher und der Schutz von Pflanzen und Tieren miteinander verbunden werden. Zwischen den Obstbäumen kann auf verschlungenen Pfaden die Natur erlebt werden.
Durch Pflanzung hochstämmiger Obstbäume wie Kirsche, Zwetschge, Apfel, Birne und Quitte mit einem Abstand untereinander von jeweils 11 m wird die historische Nutzungsform der Obstwiese nachgebildet. Besucher können die Früchte ernten. Der Abstand der Bäume untereinander ist so groß, dass der jährliche Pflegeschnitt der Wiese gut durchgeführt werden kann.
Die bestehenden fruchttragenden Sträucher und Bäume wie z.B. Wildapfel, Wildkirsche und Wildrose werden erhalten. Reisig-, Ast- und Stammmaterial der gerodeten Bäume wird zu Reisig- und Astholzstreifen aufgeschichtet. Mithilfe der Holzstreifen werden die Wildobstinseln zu Flächen mit klarer Abgrenzung zusammengefasst.
Im Zusammenhang mit der Anlage der Streuobstwiese durch hochC wurde auch eine Beschilderung mit Besucherleitsystem entwickelt. 
Wer nachlesen möchte, was es in der Anlage zu sehen und zu erleben gibt, der kann auf die Informationsstelen schauen, die über die Fläche verteilt sind. Auf der Webseite der Obstwiese Altglienicke wird man einen Audioguide, Videos, Fotos und weitere spannende und interessante Informationen rund um die Obstwiese finden. Mit dem Smartphone gelangt man mit Hilfe des nebenstehenden QR-Codes direkt auf die website des Bezirksamts.
Für Quizfreunde ist ein kleines naturwissenschaftliches Quiz für Kinder und Jugendliche integriert.

 

PROJEKTBETEILIGTE

bewegen maximieren

PROJEKTDATEN

maximieren

Baubeginn 11/2012
Fertigstellung 03/2013
Gebäudetyp Park-, Grünanlagen
Projektgröße
Fläche der Freianlagen 26.000 m2
Projektkosten
Baukosten (gesamt) 370.000 EUR
Projektadresse DE-12524 Berlin-Altglienicke

 

Foto: hochC Landschaftsarchitektur, Berlin

Der Wohngebietspark erhält eine grüne Mitte in Form einer multifunktional nutzbaren
Rasenfläche. Ein umlaufender Rundweg fasst die grüne Mitte ein und bindet an vier
Wegeverbindungen zur Hagenstraße und zur Dietlindestraße an. 
Unterschiedliche Nutzungsangebote gliedern sich in zellenartigen Strukturen an den Rundweg an und sind zukünftig noch erweiterbar. Vorgesehen sind Bolzplatz mit Graffittiwand, Kletterspielplatz mit Parcours für alle und ein Kleinkinderspielplatz mit Wasserpumpe.
Der vorhandene Baumbestand bleibt so weit wie möglich erhalten und wird punktuell ergänzt. Die Grünflächen außerhalb des Rundweges werden gestaffelt nach Strauch- und Gehölzflächen sowie verschieden häufig gemähte Wiesenflächen. Zu den Rändern hin werden die Strukturen höher und bieten so eine pflanzliche Abgrenzung zu den Straßen hin.

Entlang des Rundweges und an den Freizeitangeboten werden Sitzbänke vorgesehen. Sie sind als Sichtbeton-Fertigteile mit Holzauflagen geplant, welche teilweise mit Rückenlehnen ausgestattet werden.
Der Kletterspielplatz soll einen Kletterwald mit verschiedenen Möglichkeiten zum Hangeln,
Balancieren und Klettern bieten. Weiterhin wird es eine Seilbahn geben. Die Spielgeräte werden aus farbig lackierten, teilweise gebogenen Stahlpfosten vorgesehen. 
Der Kletterspielplatz wird als Schutz vor Hunden eingezäunt bzw. von Sitzbänken und Strauchpflanzungen eingefasst. Angrenzend an den Kletterspielplatz wird der ‚Parcous für alle’ positioniert. Hier wird es auf einer Hartgummifläche einen Parcours zum Balancieren und Trainieren verschiedener Sinne geben.
Ergänzt wird das Angebot durch ein Bodentrampolin.
Neben Kletterspielplatz und Parcours bietet die Fläche auch einen Aufenthaltsbereich, auf dem nach Möglichkeit eine lange Tafel ihren Platz finden soll. An dem rd. 10m
langen Tisch mit Sitzbänken können sich die Parkbesucher treffen und ihr Picknick genießen. Auf der Fläche sind zudem auch zwei Tischtennisplatten geplant.
Für Kleinkinder wrd ein Wasserspielplatz mit verschieden hohen Matschtischen gebaut. Ein kleiner Kletterturm mit Sandförderspiel und Edelstahl-Rutsche bietet auch für die kleineren Kinder ein Kletterangebot. Eine hölzerne Kletterskulptur zeigt einen dreiköpfigen Drachen.

 

PROJEKTBETEILIGTE

bewegen maximieren

Baubeginn 05/2014
Gebäudetyp Park-, Grünanlagen (Neubau)
Projektadresse Hagenstraße
DE-10365 Berlin

 

Foto: hochC Landschaftsarchitektur, Berlin

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten hat aktuell zum 12. Mal den Wettbewerb um den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2015 ausgelobt. Bis zum 6. Februar 2015 können Landschaftsarchitekten und andere Teilnahmeberechtigte

Mit der Argen fließt das Allgäu in die Stadt hinein, wird durch Wangen hindurch geleitet und öffnet sich wiederum in den Landschaftsraum am anderen Ende der Stadt. Der Entwurf führt den Stadtraum an zahlreichen Stellen an die Argen heran, um das freiräumliche

Der Bundeskleingartenpreis ist ein Sozial- und Umweltpreis, den der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde – die Dachorganisation des Kleingartenwesens in Deutschland – alle drei Jahre vergibt. Der Preis wird an junge Wissenschaftler und Studierende sowie an Förderer und Initiatoren von Umwelt- und Sozialprojekten vergeben. Prämiert werden Projekte des Kleingartenwesens und wissenschaftliche

Seite 2 von 3

Über L-UMP.net

L-UMP.net wurde zunächst von zwei Studenten als Portal für den Austausch von Studienunterlagen konzipiert und dann später als Online-Magazin für Interessierte und das Fachpublikum weiter entwickelt.

Soziale Netzwerke