Freitag, 08 August 2014 00:00

Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024

geschrieben von
  • Schriftgröße Schriftgröße verkleinern Schrift vergrößern
  • Drucken
  • eMail
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Mit der Argen fließt das Allgäu in die Stadt hinein, wird durch Wangen hindurch geleitet und öffnet sich wiederum in den Landschaftsraum am anderen Ende der Stadt. Der Entwurf führt den Stadtraum an zahlreichen Stellen an die Argen heran, um das freiräumliche

Potential des Fließgewässers zu aktivieren. Wie eine Perlenschnur verknüpft der Fluss die bestehenden und neuen Freiräume und wird zum freiräumlichen Rückgrat Wangens. Insbesondere der Hochkanal wird als verknüpfendes Element zwischen den Stadtteilen interpretiert, mit einer herausragenden und einzigartigen Erlebnisqualität.

Der Bürgerpark beginnt bereits auf dem Festplatz bzw. an der Inselspitze und erstreckt sich konsequent flussbegleitend bis hin zum Viadukt. In diesem Verlauf entsteht eine sehr dichte Sequenz besonderer Orte, die durch ihre Vielfalt eine besondere Dramaturgie entfalten. Über den Festplatz entsteht eine unmittelbare und starke Verknüpfung mit der Altstadt und dem städtischen Leben in Wangen. Am Festplatz wird das Uferprofil des Kanals lebhaft gestaltet, mit Wasserpflanzen und Holzdecks, so dass ein attraktiver Abschluss der offenen Platzfläche entsteht und ein würdiger Auftakt in den Flussraum.

Die Argeninsel steht ganz im Zeichen des Wassers. An der Inselspitze wird der Besucher über das Wasser geführt und kann kontemplativ über die ruhige, angestaute Wasserfläche blicken oder das rauschende Wehr erleben. Der Abzweig des Fischaufstiegs wird als Naturerfahrungsraum gestaltet, der insbesondere Kindern und Jugendlichen den spielerischen Kontakt mit den Elementen ermöglicht. Auf der Insel besteht die Chance einen breiteren Abschnitt des Gleitufers zu renaturieren. Die entstehenden Kiesbänke werden als „Argenstrand“ nutzbar und können mit Treibholz-Terrassen und -Sitzgelegenheiten als naturnahe Aufenthaltsräume qualifiziert werden.

Der längliche Wiesenstreifen am andern Ufer, flankiert durch blühende Saumvegetation, ist nutzungsoffen für Freizeit- und Sport-Aktivitäten und inszeniert den Raum mit dem historischen Viadukt als Blickfang. Programmatisch finden sich hier Flächen zum Boule-Spiel, ein Duft- und Rosengarten am alten Waggon, Sitzstufen am Wasser sowie Spielangebote und Beachvolley-Felder. Aufgrund einer Neuorganisation kann der Wohnmobilstellplatz an seinem angestammten Ort verbleiben.

Die Auwiesensiedlung wird wörtlich interpretiert bzw. ihrem Standort entsprechend entwickelt. Durch ungerichtete Baukörper gelingt es den Auwiesenpark in die Siedlung hinein fließen zu lassen und das Regenwasser oberirdisch den Auwiesen zurückzuführen. Dadurch entsteht eine Siedlung mit besonderer ökologischer Wertigkeit und einer einzigartigen Wohnqualität. Die Grundrisse lassen sich flexibel entwickeln, sodass eine Durchmischung unterschiedlicher Wohnungstypen und -größen realisiert werden kann.

Mit dem Aushub der Baugruben werden Terrassenplateaus an den Hochkanal modelliert, die als identitätsstiftendes Motiv die intensiveren Nutzungen des Auwiesenparks bündeln. Über Stufen oder barrierefreie Rampen gelangt man vom untersten Niveau der Freilichttribüne zum Wasserspielplatz, zur Rastterrasse, von dort zum Fitnessdeck und zum Aussichtsplateau. Auf der anderen Seite des Hochkanals führt eine lange Rampe barrierefrei auf den Spinnereiplatz, als Gelenk zwischen den Quartieren und mit einer Kanalunterquerung als weiterem Verbindungsstück.

Im Spinnereiviertel entsteht neben den denkmalgeschützten, historischen Strukturen ein zentraler Gewerbe-Block. Die drei Baukörper orientieren sich in Art und Maßstäblichkeit am Bestand und schaffen als flexibel realisierbare Baukörper Möglichkeitsräume für Gewerbe, Einzelhandel und Freizeitnutzungen. Der Freiraum gestaltet sich als flexibel nutzbare Fläche, die sowohl mit Parkierung als auch mit Ausstellungs-, Veranstaltungs- oder Aufenthaltsbereichen bespielt werden kann. An den Rändern entstehen 5- bis 6-geschossige Wohnbausteine, die in den unteren Geschossen mit Dienstleistungs- und Büronutzungen kombiniert sind. Die Industriedenkmäler werden überwiegend öffentlichen und sozialen Nutzungen zugeführt. Am Achsenkreuz des ERBA-Areals entsteht ein offener Interkultureller Gemeinschaftsgarten, als Motor einer diskursiven und integrativen Quartiersentwicklung. Auch das Familienzentrum und der Jugendtreff finden ihren Standort in der Quartiersmitte, die durch den historischen Schornstein markiert ist.

Die Bestandsgebäude der Arbeitersiedlung werden so ergänzt, dass im Westen ein weicher Übergang in die offene Landschaft entsteht. Die Achse der historischen ERBA wird in den Landschaftspark Argen verlängert um als In-Inliner, Radel- oder Spazierweg genutzt zu werden.

 

 

Quelle: johannesjoerg.de, Daniel Schönle

Gelesen 1543 mal Letzte Änderung am Montag, 22 Dezember 2014 18:10

Über L-UMP.net

L-UMP.net wurde zunächst von zwei Studenten als Portal für den Austausch von Studienunterlagen konzipiert und dann später als Online-Magazin für Interessierte und das Fachpublikum weiter entwickelt.

Soziale Netzwerke